Was ist Philokartie und welche Gebiete hat sie?
Philokartie bezeichnet das Sammeln, Beschreiben und Deuten von Ansichtskarten. Der Begriff steht neben der Philatelie, geht aber vom Bild und vom Gebrauch der Karte aus, nicht vom Postwertzeichen. Zu ihren Gebieten gehoeren Ortsansichten, Strassen und Plaetze, Bahnhoefe und Hafen, Kirchen und Rathaeuser, Schulen und Gasthaeuser, Industrie und Landwirtschaft, Trachten und Alltagsszenen, Berge und Kuesten, dazu Serien zu einzelnen Verlagen und Reihen zu bestimmten Jahren. Ein zweites Gebiet ist die Karte als Schriftstueck: Grussformel, Anschrift, Stempel und Datierung. Ein drittes Gebiet ist die Sachkunde: Format, Papier, Karton, Druck, Rueckseite und Verlag. Wer diese Gebiete trennt, kann eine Karte mehrfach einordnen, nach dem Bild, nach dem Ort, nach der Zeit. Fuer die tschechische Nachbarschaft beschreibt das redaktionelle Magazin filokartie obory diese Felder in tschechischer Sprache und ordnet sie nach Sammlungsfragen. Der Nutzen liegt auf der Hand: Ein Motiv laesst sich mit anderen Karten desselben Ortes vergleichen, eine Rueckseite mit anderen Karten desselben Verlags, ein Papier mit anderen Karten desselben Jahrzehnts.
Wie liest man eine alte Karte?
Gelesen wird von aussen nach innen. Zuerst das Format: Breitformat, Hochformat, kleine Karte, grosse Karte. Dann das Bild: Was ist zu sehen, und was fehlt. Ein Marktplatz ohne Baum, eine Kirche ohne Turm, eine Strasse ohne Gleis sind Hinweise auf eine Zeit vor der Veraenderung. Dann der Druck: feine Rasterpunkte, klare Linien, matte oder glaenzende Oberflaeche, Rand, Beschriftung im Bild oder unter dem Bild. Dann die Rueckseite: bedruckt oder unbedruckt, mit Linien fuer die Anschrift, mit Feld fuer den Text, mit Verlagsangabe, mit Reihennummer. Schliesslich die Handschrift: Tinte oder Bleistift, Schriftduktus, Anrede, Grussformel, Ortsname, Datum. Die Grussformel verraet oft mehr ueber den Anlass als das Bild: Feriengruss, Weihnachtsgruss, Genesungswunsch, Gruß aus dem Feld. Wer diese Schichten trennt, liest die Karte als Zeugnis und nicht nur als Schmuckstueck.
Wie datiert man eine Karte ohne Datum?
Datierung ist ein Zusammenspiel von Indizien. Das Papier hilft: Karton mit glaenzender Oberflaeche, mattes Papier, grobe oder feine Struktur, Farbe des Kartons an den Raendern. Der Druck hilft: Schwarzweiss, einfarbig getoent, mehrfarbig, Lichtdruck, Chromolithografie, spaeter Rasterdruck. Die Rueckseite hilft: geteilter Raum fuer Anschrift und Text, ungeteilter Raum, vorgedruckte Linien, Verlagsname, Reihennummer, Angabe einer Druckerei. Die Handschrift hilft: Datum, Ortsname, Anrede, Grussformel, Briefmarke, Stempel. Ein einzelnes Merkmal genuegt selten. Erst wenn Papier, Druck, Rueckseite und Handschrift zusammenpassen, ergibt sich ein Zeitraum. Vorsicht bei spaeteren Nachdrucken: Sie wirken sauber, haben oft kraeftige Farben, klare Raender und keine Gebrauchsspuren. Ein Vergleich mit datierten Karten desselben Motivs oder desselben Verlags ist die sicherste Methode.
Wie ordnet man Motive, Papiere und eine Sammlung?
Ordnung beginnt mit einer Entscheidung. Wer nach Motiv ordnet, legt Ortsansichten, Gebaeude, Landschaften und Alltagsszenen in getrennte Gruppen. Wer nach Papier ordnet, trennt Karton, Duennpapier, getoente und mehrfarbige Blaetter. Wer nach Rueckseite ordnet, unterscheidet bedruckte und unbedruckte Karten, Linienraster und Verlagsangaben. Fuer die taegliche Arbeit hat sich eine Mischung bewaehrt: Hauptordnung nach Motiv oder Ort, innerhalb der Gruppe nach Datierung, dazu ein Verzeichnis mit Nummer, Kurzbeschreibung, Papier, Rueckseite, Handschrift und Datierung. Jede Karte erhaelt eine Huelle aus Papier oder Klarsichthuelle, die Huelle kommt in ein Album oder in eine flache Schachtel. Licht, Feuchtigkeit und Druck sind die Gegner: Alben stehen senkrecht, Schachteln liegen flach, Huelle und Karton schuetzen die Oberflaeche. Ein Verzeichnis in Karteikarten oder in einer Tabelle bleibt neben der Sammlung. Wer tauscht oder abgibt, notiert den Vorgang, damit die Ordnung nicht zerfaellt.
Wie haelt man die Sammlung in vernuenftigen Grenzen?
Grenzen sind Teil der Ordnung. Drei Regeln helfen. Erstens die Menge: eine feste Zahl von Alben oder Schachteln, die nicht ueberschritten wird. Zweitens die Auswahl: ein klares Thema, etwa ein Ort, ein Verlag, ein Jahrzehnt, eine Motivgruppe. Drittens die Zeit: ein fester Nachmittag pro Woche fuer Sichten, Einordnen und Notieren. Wer diese Grenzen setzt, kauft weniger und sieht mehr. Doppelte Karten werden getauscht oder abgegeben, beschädigte Karten bleiben als Beleg, wenn das Bild selten ist. Ein Verzeichnis verhindert, dass dieselbe Karte zweimal erworben wird. Wer die Sammlung als Bildquelle nutzt, braucht keine Vollstaendigkeit, sondern eine gute Auswahl mit klaren Angaben. So bleibt die Sammlung ein Werkzeug und wird nicht zur Last.
Was zeigen die Bilder, und wie wurden sie gedruckt?
Die Bilder zeigen Strassen, Plaetze, Gebaeude, Menschen bei der Arbeit, Feste, Trachten, Schiffe, Bahnen, Berge und Kuesten. Sie zeigen auch, was der Fotograf oder der Verlag fuer wichtig hielt: die neue Schule, das neue Rathaus, den Bahnhof, die Bruecke, den Markt. Der Druck verlief in Stufen. Fruehe Karten entstanden als Lithografie, dann als Chromolithografie mit mehreren Farbsteinen, spaeter als Lichtdruck und als Rasterdruck. Jedes Verfahren hinterlaesst Spuren: feine Punkte, klare Flaechen, zarte Uebergaenge, kraeftige Farben, matte oder glaenzende Oberflaeche. Der Verlag setzte seinen Namen, eine Reihennummer und manchmal eine Jahresangabe auf die Rueckseite. Diese Angaben sind keine Nebensache: Sie verbinden Bild, Papier und Datierung. Wer die Druckverfahren kennt, erkennt Nachdrucke und kann eine Karte genauer einordnen. Die Karte wird so vom Bild zum Dokument, und die Sammlung wird zum Verzeichnis von Orten, Zeiten und Gebrauchsspuren.