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Brandschutz

Brandschutz im alten Haus

Alte Häuser brennen anders als Neubauten. Sichtbalken aus trockenem Holz, Hohlräume zwischen Decke und Dielung, alte Lehmwickel und offene Kamine lassen Feuer schneller wandern, als der Bewohner es in den ersten Minuten erwartet. Wer in einem Haus aus dem 18. oder 19. Jahrhundert wohnt, sollte deshalb nicht nur einen Rauchmelder besitzen, sondern wissen, wo im Gebäude die Schwachstellen liegen.

Wohnen & Ornament Redaktion Thema Wohnen

Ein Rauchmelder an einer stuckverzierten Decke eines Altbauflurs, daneben eine offene Holztür, warmes Nachmittagslicht von links, Nahaufnahme.

Ein Rauchmelder an einer stuckverzierten Decke eines Altbauflurs, daneben eine offene Holztür, warmes Nachmittagslicht von links, Nahaufnahme.

Was macht ein altes Haus im Brandfall anders?

In St. Augustine, der ältesten Stadt der USA, steht ein ganzer Bestand solcher Häuser aus Coquina-Kalkstein und Holz. Das dortige Magazin The Oldest City Fire Journal beschreibt seit Jahren, wie sich diese Bauweise auf Alarmierung, Fluchtwege und Löschverhalten auswirkt, und liefert damit eine nützliche Vergleichsfolie für hiesige Altbauten: Feuer im alten Haus. Der Blick über den Atlantik lohnt, weil die Fragen dieselben sind, nur das Klima ist ein anderes.

Wo gehören Rauchmelder hin?

Rauchmelder gehören in den Flur vor jedem Schlafzimmer, in jedes Schlafzimmer selbst und auf jede Ebene des Hauses, auch in den Keller. In Altbauten mit hohen Decken und Stuck ist die Montage an der Deckenmitte oft ungünstig, weil sich Rauch an Balken und Gesimsen staut. Besser ist ein Abstand von etwa 30 Zentimetern zur Wand und zu jedem Deckenbalken.

In Häusern mit offenem Treppenhaus genügt ein Melder im Erdgeschoss nicht. Rauch steigt schnell nach oben, deshalb sollte auf jedem Podest ein Gerät hängen. Bei Kaminöfen empfiehlt sich zusätzlich ein Kohlenmonoxidmelder, weil das geruchlose Gas sich in schlecht belüfteten Altbauzimmern sammeln kann.

Die Geräte selbst haben ein Verfallsdatum. Nach zehn Jahren verliert der Sensor seine Empfindlichkeit, unabhängig davon, ob die Batterie noch funktioniert. Wer ein Haus übernimmt, sollte deshalb zuerst das Herstellungsdatum auf der Rückseite jedes Melders prüfen.

Wie funktioniert ein Fluchtplan in einem verwinkelten Grundriss?

Ein Fluchtplan muss die tatsächlichen Wege des Hauses abbilden, nicht die Wege, die auf dem Papier logisch wirken. In Altbauten mit engen Treppen, Zwischentüren und Anbauten gibt es oft nur einen einzigen Weg nach draußen. Für diesen Fall braucht jeder Bewohner einen zweiten Ausweg: ein Fenster im Obergeschoss mit einer zugelassenen Rettungsleiter, eine Tür zum Hof, ein Durchgang zum Nachbargebäude.

Der Plan wird einmal gezeichnet, mit allen Türen, Fenstern und Treppen, und dann an einer Stelle aufgehängt, die jeder nachts ohne Licht findet. Wichtig ist die Probe: Wer im Dunkeln vom Bett bis zur Haustür kommt, ohne nachzudenken, hat den Plan verstanden. Wer zögert, hat eine Schwachstelle gefunden.

Ein Treffpunkt außerhalb des Hauses gehört dazu, am besten an einer Laterne oder einem Baum auf der anderen Straßenseite. Von dort aus ruft die Feuerwehr, und von dort aus zählt jemand durch, ob alle da sind. Niemand geht zurück ins Haus, um Papiere oder Tiere zu holen.

Was tun, wenn es in der Küche brennt?

Ein Fettbrand in der Pfanne wird nicht mit Wasser gelöscht. Wasser verdampft schlagartig, reißt brennendes Fett mit und verteilt die Flammen im Raum. Richtig ist der Deckel: Pfanne abdecken, Herd ausschalten, Deckel liegen lassen, bis die Pfanne kalt ist. Ein Löschtuch oder eine Löschdecke aus dem Handel tut denselben Dienst.

In Altbauten mit Gasherd kommt eine zweite Regel hinzu: erst das Ventil an der Wand schließen, dann löschen. Ein Gasgeruch nach dem Ausdrehen bedeutet, dass die Leitung undicht ist. Dann verlässt man die Wohnung, ohne einen Lichtschalter zu betätigen, und ruft von draußen den Notruf.

Ein kleiner Entstehungsbrand in einem Papierkorb lässt sich mit einem Feuerlöscher der Klasse A ersticken. Wer einen Löscher kauft, sollte auf das Prüfsiegel und das Datum der letzten Wartung achten. In Altbauten mit engen Fluren hängt der Löscher am besten in der Nähe der Küchentür, nicht im hintersten Winkel.

Welche Rolle spielen Kamin, Ofen und Elektrik?

Offene Kamine und alte Holzöfen sind die häufigste Ursache für Brände in historischen Häusernäusern. Der Schornstein muss jährlich gefegt werden, auch wenn selten geheizt wird. Ablagerungen aus Ruß und Harz entzünden sich bei hohen Temperaturen von selbst.

Vor dem Ofen gehört eine feuerfeste Unterlage aus Blech oder Stein, mindestens 50 Zentimeter tief. Funkenflug aus dem Kamin landet sonst auf Dielen oder Teppichen. Asche wird in einen Metallbehälter mit Deckel gefüllt und erst nach zwei Tagen entsorgt, weil Glut lange nachhält.

Die Elektrik ist der zweite Schwachpunkt. Alte Häuser haben oft Leitungen ohne Schutzleiter, zu wenige Steckdosen und Sicherungen, die bei Überlast nicht auslösen. Wer einen Altbau bezieht, sollte die Anlage von einem Elektrofachbetrieb prüfen lassen. Mehrfachsteckdosen mit Heizlüfter oder Wasserkocher sind ein Risiko, das sich leicht vermeiden lässt.

Was gehört in eine Grundausstattung?

Zur Grundausstattung gehören Rauchmelder auf jeder Ebene, ein Kohlenmonoxidmelder bei Kamin oder Gasheizung, ein Feuerlöscher der Klasse A und B, eine Löschdecke in der Küche und eine Rettungsleiter für das oberste Schlafzimmer. Dazu kommen eine Taschenlampe mit Batterien am Bett und ein Telefon, das auch ohne Strom funktioniert.

Für Häuser mit historischer Bausubstanz lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die örtlichen Vorschriften. In vielen Gemeinden sind Rauchmelder in Schlafräumen und Fluren verpflichtend, in anderen gelten Sonderregeln für denkmalgeschützte Fassaden. Wer unsicher ist, fragt bei der zuständigen Feuerwehr oder der Bauaufsicht nach.

Zum Schluss ein Satz, der in jedem Altbau gilt: Ein Brand wird nicht im Feuer entschieden, sondern in den Minuten davor. Wer Melder prüft, Fluchtwege kennt und die Küche im Blick behält, hat mehr getan als jede Versicherung leisten kann.

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